Erfahrungsbericht einer Patientin

Meine Erfahrung mit Gruppentherapie:

"Als ich vor einem Jahr einen Therapieplatz in einer Gruppentherapie bekam, war ich erstmal froh, Hilfe zu bekommen.

Anfänglich stand ich allerdings der Form der Gruppentherapie skeptisch gegenüber, zumal ich bis dato überhaupt keine Erfahrung mit Psychotherapie gemacht hatte und nicht wusste, was auf mich zukam.

Was waren denn meine Bedenken?
Meine Gedanken und Gefühle vor "wildfremden" Menschen auszubreiten?
Würde ich mich schämen, offen über meine Probleme zu sprechen?
Sind meine Probleme überhaupt so "groß und wichtig", dass andere sich damit befassen wollen?

Meine Bedenken wurden jedoch bereits in der ersten Sitzung gründlich widerlegt. Der Empfang in der Gruppe war warm und verständnisvoll, und durch die Gruppenregeln fühlte ich mich gleich in einem geschützten Raum. Es gab keinen Druck, sich mit einem eigenen Thema zu beteiligen oder überhaupt etwas beizutragen – genau diese Freiwilligkeit und die vertraute Stimmung in der Gruppe erleichterten mir den Einstieg.

Ich hatte sofort das Gefühl, wirklich verstanden und gehört zu werden. Der ehrliche und empathische Umgang mit oftmals "schweren Themen" war eine wohltuende Veränderung zu den "üblichen" gutgemeinten Ratschlägen, die ich schon so oft gehört hatte. Hier saßen Menschen, die nachvollziehen konnten, wie ich mich fühlte, weil es ihnen ähnlich ging oder mal ergangen war.

Aber ich profitierte nicht nur selbst von den Rückmeldungen der anderen, ich konnte selber auch etwas beitragen und so einem Gruppenmitglied vielleicht einen nützlichen Lösungsansatz bieten, und das war in meiner damaligen Situation ein riesiger "Boost" für mein Selbstwertgefühl.

Abschließend kann ich sagen, dass ich froh bin, dass ich mich von meinen anfänglichen Bedenken nicht habe abschrecken lassen und diese wertvolle Erfahrung machen durfte."